Dublin, Tag 16

Montag, neue Studenten stoßen zu uns. 7 an der Zahl: 2 Deutsche, 2 Spanier, 2 Italiener und eine Französin. Die übliche Vorstellungsrunde folgt. Und was soll ich sagen? Manchmal werde auch ich eines Besseren belehrt. Da ist sie, die Französin, die gutes Englisch, fast akzentfrei (zumindest für meine deutschen Ohren)) spricht und auch noch total aufgeräumt daherkommt. Um es mit Herberts Worten zu sagen, sie hat keine Wolldecke im Mund 😉 Sie wirkt nicht wie eine typische Französin, obwohl sie in Paris lebt, vielleicht liegt es daran, dass ihre Familie aus Guadeloupe kommt. Très sympa. So, jetzt muss ich wohl mein Vorurteil begraben! Spontan verbringen wir die Pause zusammen. Nach dem Unterricht mache ich mit meiner sympathischen brasilianischen Mitstudentin Ana einen Spaziergang zum Trinity College. Wir buchen eine geführte Tour und werden uns anschließend das Book of Kells anschauen, ca. 1200 Jahre alt. Wir haben einen netten Führer, Student im 4. Jahr, namens Jasper, der uns einige interessante Dinge über die im Jahr 1592 durch Queen Elisabeth I. gegründete Uni erzählt. Einer der ehemaligen Leiter der Uni, George Salmon, kämpfte lange Jahre dagegen, dass Frauen im Trinity College zugelassen werden. Eher wolle er sterben, als dass eine Frau das Studium beginne. Erst als seine eigene Tochter ihn drängt seine Haltung aufzugeben, unterzeichnet er ein Pamphlet, welches Frauen den Zugang zur Uni gestattet. Bevor die erste Frau ihr Studium antritt, verstirbt er jedoch im Jahr 1904 an einem Herzinfarkt. Er hat also Wort gehalten ... Viele berühmte Gastredner kommen an die Uni, so auch im letzten Jahr Angela Merkel. Sie hat Jasper sehr beeindruckt, allerdings hatte er sich die mächtigste Frau Europas größer vorgestellt 😄 Wir schauen uns das Book of Kells an. Ich war schon immer ein Fan von alten, von Mönchen kopierten Schriften, erstaunlich filigran sind die Verzierungen der ersten Buchstaben von Kapiteln oder Paragraphen. Der sogenannte Long Room der Bibliothek ist irre, so was habe ich noch nicht gesehen, Bücher über Bücher .... Hier ist auch die älteste Harfe Irlands zu bestaunen. Nach so viel trockener Geschichte beschließen wir in einen Pub einzukehren. Und tatsächlich wird in diesem Pub Kilkenny serviert, eine Seltenheit in Dublin. Meinem lieben Freund Wolfi habe ich ein Beweisfoto versprochen, sofern ich ein Kilkenny in Dublin trinke. Leider trägt das Glas kein Label, so muss ich noch den Zapfhahn fotografieren. Ein breiter irischer Rücken hindert mich allerdings an einem anständigen Foto. Ich bitte darum, ein wenig zur Seite zu rücken, damit ich ordentlich fotografieren kann. Der Ire versteht mich absichtlich falsch und ist sofort Feuer und Flamme ein Foto von sich und mir zu machen. Schneller als ich gucken kann, werde ich in den Arm genommen, mein Handy wird von seinem Kumpel konfisziert, der einen Schnappschuss von uns macht. Gerne könne ich jederzeit wieder ein Foto von ihm haben. Mit einer herzlichen Umarmung werde ich entlassen und darf nun auch den Zapfhahn fotografieren. Lieber Wolfi, das kostet dich was 😘 Die Iren, ich werde sie vermissen ...