Dublin, Tag 18

In der Zwischenzeit habe ich mich an die Geräuschkulisse vor meinem Haus gewöhnt, ich schlafe recht gut, was nichts an der Tatsache ändert, dass mein Biorhythmus um 7 Uhr morgens noch nicht auf der Höhe ist ... Unspektakulärer Unterricht am Vormittag. Naz hat mir Rezepte für Scones mitgebracht, ich muss sie unbedingt ausprobieren, wenn ich wieder in Trier bin. Da ich vom Sonnenschein profitieren möchte, beschließe ich meine Mittagspause im Park des Merrion Square zu verbringen. Die Grünflächen sind von Dublinern - und vermutlich auch Studenten - belagert, die dort ihr Lunch einnehmen. Leider haben Sonnenstrahlen und Wärme immer eine negative Begleiterscheinung, so auch hier. Einige sehr hellhäutige und leider nicht in so guter Form befindlichen Herren haben sich ihrer Oberbekleidung entledigt. Kein schöner Anblick 😱 Auf dem Rückweg zum College entdecke ich zufällig eine Bäckerei namens Hänsel und Gretel, da muss ich rein. Ein ganz süßer Laden ist das. Eigentlich wollte ich nur einen Kaffee bestellen, aber die Leckereien verführen mich. Um es mit Oscar Wilde zu sagen: "I can resist anything except temptation." Nach dem ich das Eclair-ähnliche Etwas verzehrt habe, ist mir schlecht, das habe ich nun davon ... Augen zu und durch, der Nachmittagskurs wird nicht geschwänzt. Hätte ich das bloß getan! Heute sprechen wir über ... den Finanzsektor. Klasse, freue mich unglaublich 😖 Wieder einmal ist meine Expertise gefragt, ich erkläre den Unterschied zwischen Aktien und festverzinslichen Wertpapieren, kläre über Listings und Neuemissionen auf, helfe links und rechts bei den Aufgaben ... Ich glaube, ich sollte den Nachmittagskurs wechseln, unter Business-Englisch habe ich mir etwas anderes vorgestellt. Nach dem Unterricht wird ein kurzer Abstecher zur National Gallery gemacht, eine ziemliche Enttäuschung. Diese muss mit einem Bier hinunter gespült werden. Mit Oscar (geboren in Venezuela, lebt seit 11 Jahren in Spanien) und Ana, Brasilien, gehe ich in den nahe gelegenen Pub. Wieder einmal wird mir bewusst, was für ein Glück ich hatte, in Deutschland geboren zu werden. Wenn ich mir die Geschichten über Gewalt, Korruption, mangelndes Gesundheitswesen etc. in Lateinamerika anhöre, wird mir ganz anders. Es ist gar nicht schlecht, wenn einem ab und zu de Kopf zurecht gerückt wird, vieles relativiert sich dann. Uns geht es schon verdammt gut ...