Dublin, Tag 22

Heute klingelt der Wecker für meinen Geschmack viel zu früh: 6.20 Uhr, 😴. Heute steht die Celtic Tour an, mit von der Partie sind Diana, Lena (beide D) und Petra(CZ). Wir sind wie verabredet 10 min. vor Abfahrt beim Treffpunkt, aber weit und breit ist kein Bus zu sehen. Langsam werden wir unruhig, aber dann werden wir doch noch eingesammelt. Erster Stopp bei den Hills of Tara. Hier wurden die keltischen Könige gekrönt. Das ganze ist ziemlich unspektakulär, da die Kelten nur Holz verbauten, von ihren Gebäuden ist nichts übrig geblieben, sie sind sprichwörtlich im Boden versunken. Nur die Ringwälle und der Lia Fáil sind noch vorhanden. Der Stein macht sich nur bemerkbar, wenn der rechtmäßige König oder die rechtmäßige Königin ihn berührt. Bei mir schweigt er beharrlich, dabei gebe ich mir ordentlich Mühe, lege sogar zwei Hände auf 😔. Doofer Stein ... Unterwegs hat Lena uns gesteckt, dass heute Dianas Geburtstag ist, also geben wir ein Ständchen zum Besten. Weiter geht es nach Trim Castle. Was glaubt ihr, welcher Film überwiegend hier und in den Wicklow Mountains gedreht wurde? Passend dazu höre ich übrigens gerade den Soundtrack. Braveheart!!! Wo ist er denn, der gut Mel alias William Wallace? Wenn ich mir den Film das nächste Mal anschaue, werde ich ganz genau auf die Locations achten. Weiter geht es nach Loughcrew. Der Name auf Irisch ist Sliabh na Caillí was "Berg der Hexe" bedeutet, weil diese der Legende nach die drei Gebirge in diesem Gebiet erschuf, als sie durch das Gebiet ging und große Steine fallen lies, die sie bei sich trug und welche dann die Hügel bildeten. Das Ganggrab kann besichtigt werden, die neolithische Kunst auf den Steinen in der Kammer ist noch gut zu erkennen. Es muss ein irres Schauspiel sein, wenn während der Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr bzw. Herbst die Sonne von oben in die Grabkammer scheint und die Steine beleuchtet 😳 Die Landschaft ist wirklich atemberaubend schön. Wir können über Weite Teile Irlands sehen! Schweren Herzens reißen wir uns von der Aussicht los, der Bus soll schließlich nicht ohne uns weiterfahren 😉 Weiter geht es "to the middle of nowhere". Dort legen wir eine Mittagspause ein. In dem Kaff gibt es nix, nur ein Restaurant, das vom Busreisen angesteuert wird, und einen Supermarkt und einen Pub, ein ziemlich trostloses Fleckchen ist das. Weiter geht es nach Monasterboice, um dort Ruinen und Sandhochkreuze aus dem 9. Jahrhundert, insbesondere das Kreuz von Muiredach, das 5,2 m hoch und bestens erhalten ist, zu bestaunen. Letzter Haltepunkt auf unserer Tour ist Drogheda. Ein berühmter Sohn der Stadt ist Pierce Brosnan. Auch ihn bekomme ich leider nicht zu Gesicht, da er schon sehr lange in UK lebt 😕. Wir besichtigen eine Kirche, die zwei Reliquien beherbergt. Einmal den Kopf des Heiligen Oliver, eines irischen Märtyrers. Dies ist seine Leidensgeschichte: "Und darum sollt Ihr von hier bis zu dem Platz von dem Ihr kamt, Newgate, zurückkehren. Von dort sollt Ihr (zwei Meilen mit dem Schlitten) durch die Stadt London bis nach Tyburn geschleift werden; dort werdet Ihr am Hals gehenkt, jedoch vom Seil abgeschnitten, bevor Ihr tot seid, eure Eingeweide herausgeschnitten und diese vor Euch verbrannt. Anschließend sollt Ihr enthauptet und Euer Körper in vier Teile geteilt werden, über welche verfügt wird, wie es Seiner Majestät beliebt. Der Herr sei Eurer Seele gnädig." Nett,oder? Ein ganz Pfiffiger hat sich den Kopf geschnappt, der seitdem als Reliquie gilt und in der Saint Peter's Church zu bestaunen sind. Der Gute Oliver ist mittlerweile ziemlich unansehnlich ... Wie so oft kommt das beste zum Schluss 😀 Während die eine Reliquie links vorne in der Kirche ausgestellt ist, befindet sich die zweite rechts vorne. Ein Schrein, der Splitter des Heiligen Kreuzes Jesu Christi aufbewahrt. Ich muss schmunzeln, als ich die englische Übersetzung des Textes lese. Versiegelt und verschlossen, damit der Splitter geschützt wird, das Siegel darf nicht gebrochen werden. Ist schon klar, dass niemand unter das Siegel schauen darf 😉 Ich bitte alle Gläubigen, mir meine blasphemischen Äußerungen nachzusehen, hoffentlich trifft mich nicht der Zorn Gottes ...