Über die Weißen Nächte waren Gabi und ich vom 19.06. bis 23.06. in Sankt Petersburg. Und weil es uns so gut gefallen hat, hier unser Reisebericht:

 

Vorbereitung

Die schwierigste Sache, war natürlich der Flug. Mit Germanwings konnten wir noch einen Direktflug von Düsseldorf ergattern. Nicht billig, aber dafür nur 2 1/2 Stunden und ideale Abflugzeiten. Morgens hin und abends zurück.

Das Hotel wurde über HRS gebucht. Einfach, 4 Sterne, 5.000 Rubel die Nacht.

Zum Schluss noch in Google "Reiseleitung Sankt Petersburg" eingegeben und nach einem kurzen Email-Wechsel hatten wir für den gesamten Aufenthalt eine persönliche Reiseleitung, 8 Stunden am Tag und an den beiden letzten Tagen inkl. Fahrer. Wie sich später herausstellte, eine ideale Wahl.

Für das Visum benötigten wir:

- Rückreisewilligkeit (belegt durch Kontoauszug)

- Einladung (über unser Hotel arrangiert)

- jeweils 2 Passfotos

- Auslandskrankenversicherung (ADAC EUROCARD Gold)

- Antrag über die visumzentrale.de

 

 

Tag 1

Anreise und Flug liefen einwandfrei. Gegen 17.00 Ortszeit (bei 2 Stunden Zeitverschiebung) suchten wir uns ein Taxi und wurden das erste Mal damit konfrontiert, dass englisch nicht unbedingt überall eine Weltsprache ist. Seit der Auflösung der Sowjetunion ist die 1. Fremdsprache in Russland zwar englisch, dennoch mussten wir so manches Mal auf die allgemeingültige Zeichensprache ausweichen. Der Taxifahrer war jedenfalls gut vorbereitet. Auf die Frage "Can we pay with EURO?" hielt er mir ein Smartphone vor das Gesicht und schwupps nickte er. Die Taxis sind im Verhältnis zu den anderen Verkehrsmitteln in Sankt Petersburg die teuerste Alternative, allerdings waren wir froh, zügig im Hotel zu sein.

Unser Hotel befand sich am 7 Kiometer langen Nevsky Prospekt, der Hauptstraße der 5-Millionenmetropole in der Nähe zum Alexander Nevsky Kloster. Das Hotel, eine restaurierte Altbauwohnung mit 9 Zimmern, war sauber, gut ausgestattet, mit gutem Frühstück und einem sehr aufmerksamen Service, mehr als wir erwartet hatten.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten, ging es einfach per pedes den Nevsky Richtung Admiralität, dem Mittelpunkt der Stadt. Auf unserem Fußmarsch konnten wir uns einen ersten Eindruck über die Stadt machen und ich war schon nach wenigen Metern begeistert, obschon wir so manches Bekanntes aus Westeuropa entdecken konnten.

Tag 2

Wie verabredet trafen wir uns um 9.00 Uhr mit Svetlana, unserer Stadtführerin. Svetlana hat eine 15-jährige Reiseleitungs-Erfahrung und konnte uns aufgrund Ihres Studiums in Kunstgeschichte fast alles und das überall über alles berichten. An diesem Tag hatten wir folgendes auf dem Programm:

 

Jussupow-Palast inkl. Rasputin-Ausstellung

Vorausgeschickt: Wahnsinn! Zur Zarenzeit gab es in Sankt Petersburg Fürsten, die auch für heutige Verhältnisse als Superreiche mit dem Hang zur Selbstdarstellung zu bezeichnen sind. Der Stadtpalast, insbesondere der repräsentative Teil, war eine unglaubliche Zusammenstellung aus Gold, Stuck und Prunk. Besonders beindruckend war für mich das hauseigene Theater mit 2 Rängen, einem Musikergraben und Sitzplätzen für über 100 Gäste. Nach ca. 1 1/2 Stunden verließen wir wieder dieses absolute Palasthighlight, das zur damaligen Zeit nur von 3 Personen bewohnt wurde. Die 200 Diener natürlich nicht mitgerechnet.

 

Isaaks-Kathedrale

Ganz in der Nähe zum Jussupow-Palast befindet sich die Isaaks-Kathedrale, die aufgrund Ihrer Größe und der großen goldenen Kuppel sehr auffällig die Umgebung prägt. Schon beim Jussopow-Palast machte sich die gute Vorbereitung unserer Reiseleitung bemerkbar. Alle Eintrittskarten inkl. eines Zeitfensters waren bestellt, sodass wir nirgendwo mit Wartezeiten rechnen mussten, während so manche Einzelperson sich in einer langen Warteschlange einordnen musste.

Nachdem Besuch der Kathedrale ging es mit der Metro zur Peter- und Paul-Festung. Das Metrosystem, das erst seit 1955 gebaut wird und jährlich ca. um eine Station erweitert wird ist mit einem Token-System relativ touristenfreundlich, weil einfach und mit 28 Rubel äußerst günstig. Besonders hervorzuheben ist die Tiefe der Stationen. Die Abfahrt über die gigantischen Rolltreppen dauert mitunter 2-3 Minuten bis man sich auf bis zu 140 Meter Tiefe angekommen ist. An dieser Stelle zu bemerken: Man braucht keine Angst als Tourist zu haben, die Metrostationen sind durchgehend bewacht und mit Kameras überwacht, dennoch sollte man kein Portemonaise in der Gesäßtasche haben und seine Tasche oder Rucksack auf dem Bauch halten. Ein Sitzplatz gewährleistet den besten Schutz gegen die sehr findigen Trick- und Taschendiebe, wie sie in allen großen europäischen Metropolen aktiv sind.

Peter- und Paul-Festung

Die Festung ist natürlich ein Muss für den Sankt Petersburg Touristen, nach meinem Geschmack aber bei weitem nicht die interessanteste Lokalität. Die Kathedrale ist natürlich beeindruckend und geschichtsträchtig, allerdings sollten wir in den nächsten Tagen noch so manche Steigerung erleben.

Alexander Nevsky Kloster

Im Anschluss an die Festung hatten wir noch etwas Zeit und so entschieden wir uns für einen Besuch des Alexander Nevsky Klosters und des Tichwiner Friedhofs, auf dem so manche russische Größe, wie Dostojewski, Glinka und Tschaikowsky begraben sind. Den Besuch des Klosters mussten wir als Nicht-Orthodoxe mit 200 Rubel pro Person bezahlen. Dies lohnte sich aber.

 

Am Abend kehrten wir bei einer japanischen Restaurantkette in der Nähe des Nevsky Prospekt ein, die uns mit einer sehr guten Qualität überraschte. Sushi ist derzeit bei den Russen sehr beliebt und die Kette fast in jedem Stadtteil vertreten. 

Tag 3

Dieser Tag sollte der anstrengenste werden. Die Stadtführung begann mit einem Busuch des Kusnetschnylj-Marktes in der Nähe der Wladimir-Kathedrale, in der wir noch einem orthodoxen Gottesdienst beiwohnen durften.

Blutskirche

Eine Museumskirche der Superlative, die man hier nur mit folgenden Bildern beschreiben kann

Erimitage

Nach der fantastischen Blutskirche und bereits einigen Kilometern Fußmarsch ging es zu einem der bedeutendsten Museen der Welt im ehemaligen Zarenpalast. Auf einer schier unendlich wirkenden Fläche konnten wir nicht nur äußerst seltene Exponate bewundern, nein auch die Raumgestaltung allein, wäre schon ein Besuch wert gewesen. Auch hier sollte eine kleine Bildersammlung für sich sprechen.

Bootstour

Gegen 17.00 Uhr erholten wir uns dann noch auf einer einstündigen Bootstour, die Dank einer deutschen Übersetzung noch einmal einige interessante Informationen bot. Gut, dass es einige Decken an Bord gab, da es auf dem Wasser merklich frischer war.

 

Zum Ende des Tages waren wir so erschöpft, dass wir unsere müden Knochen nicht mehr aus dem Hotel bewegen wollten bzw. konnten.

Tag 4

Für unseren 4. Tag stand uns zusätzlich zu unserer Reiseleitung, Svetlana, auch noch Robert mit seinem Audi zur Verfügung, da wir an diesem Tag etwas weiter fahren mussten und mit öffentlichen Verhältnissen einfach zu viel Zeit verloren hätten.

 

Peterhof

Vormittags ging es zum Peterhof, oder dem Fontänengarten, der uns mit 140 teilweise sehr beeindruckenden Wasserspielen überraschte. Bei strahlend blauem Himmel waren wir natürlich an diesem Wochenende nicht die einzigen Gäste.

Oranienbaum

Nach dem Besuch von Peterhof ging es noch zum Palast Oranienbaum, einem kleineren aber sehr liebevoll restaurierten Palast.

Das Ende dieses schönen Tages bestritten wir in einem typisch russischen Lokal, mit einem sensationellen Stück Fleisch und unseren ersten Vodkas.

Auf dem Weg zum Hotel kehrten wir noch im "Paulaner" ein und guckten das WM-Spiel Belgien-Russland.

Tag 5

An diesem Tag lernten wir Svetlana II kennen, da unsere Reiseleiterin der vergangenen Tage einen Termin beim Konsulat hatte. Svetlana II und Robert begleiteten uns noch bis zum Nachmittag, um uns den Katharinenpalast inkl. der Nachbildung des legendären Bernsteinzimmers zu zeigen.

 

Katharinenpalast

Ich muss zugeben, dass sich zum Ende unserer Tour langsam eine kleine Sättigung bzgl. Gold und Stuck einstellte, aber der Katharinenpalast war dann doch noch einmal eine gigantische Steigerung des bisher erlebten. Leider hatten wir sehr schlechtes Wetter, sodass wir den Park nicht vollständig ablaufen wollten.

Nach der Palastbesichtigung brachten uns Svetlana II und Robert zum Flughafen. 

Es waren tolle Tage in einer tollen Stadt und spätestens in 4 Jahren werden wir zur Fussball-WM wieder hier sein.